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07.10.2020

Interview mit Jakob – Crew-Mitglied der Sea-Watch 4

„Wir leisten Widerstand gegen die menschenverachtende Migrationspolitik Europas!“

Moin Jakob, stell dich bitte kurz vor. Wie hast du deinen Weg auf die Sea-Watch 4 gefunden und was ist Deine Aufgabe an Bord?
Jakob, ich komme aus dem Burgenland und wohne in Wien. Ich bin 29, eigentlich Lehrer in Wien. Zur Zeit nehme ich mir aber eine Auszeit, um ua. meinem politischen Aktivismus nachzugehen. An Bord war ich als AB - das heißt, ich habe als Teil der nautischen Crew an Deck gearbeitet. Da ich mich seit langem politisch engagiere und auf anderen Schiffen einiges an Seezeit gesammelt habe, durfte ich Teil dieser ersten Mission sein.
Welche schönen oder schwierigen Momente sind dir besonders in Erinnerung geblieben von der letzten Rettungsmission?
Besonders herausfordernd ist die alltägliche Normalität, die am Zentralen Mittelmeer herrscht. Es ist normal, dass die Zivilgesellschaft Aufgaben des Staates übernehmen muss, es ist normal, dass NGOs wie Sea Watch kriminalisiert werden, es ist normal, dass wir wochenlang auf einen Hafen warten müssen, es ist normal, dass Menschen beinahe täglich ertrinken. Wo bleibt der Skandal?
Besonders schön: Der Umstand, dass die Sea Watch 4 ein Schiff von ganz unterschiedlichen Gruppen aus der Zivilgesellschaft ist, die sagen: Wir leisten Widerstand gegen die menschenverachtende Migrationspolitik Europas!
Wie gehst du mit dem Erlebten um?
Ich erzähle Menschen davon, aktiviere möglichst viele Medien in Österreich (hier ist der Begriff Seenotrettung mehr oder weniger ein nicht vorhandener Begriff) und versuche meine Wut in politische Arbeit zu kanalisieren.
Was sollten Menschen über das Thema wissen? Was steht nicht in der Zeitung, was habt ihr persönlich verstanden?
Menschen machen sich nicht aus Jux und Tollerei auf den Weg. Menschen ertrinken nicht einfach so. Die Schiffe von Sea Watch werden nicht zufällig blockiert. Dahinter stehen politische Mechanismen - was wir an Bord erleben, sind dann jene hässlichen Bilder eines Schreibtischtätertums wie es etwa Sebastian Kurz betreibt.

Danke Jakob, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Und Danke für deine wichtige Arbeit!

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